• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Christian Wück Persönlich

Krankengeschichte

E-Mail Drucken PDF

 

Danach begann meine Zeit als Lizenzfußballspieler. In den 4 Jahren von 1990 bis 1994 beim 1.FC Nürnberg hatte ich nicht eine schwerwiegende Verletzung zu beklagen. Ich war bei praktisch allen Spielen des Clubs im Kader der Lizenzmannschaft.

Dies sollte sich leider in Karlsruhe ändern. In der Vorbereitung zur Saison 94/95 erlitt ich einen Muskelbündelriss, durch den ich praktisch die gesamte Vorbereitung nicht absolvieren konnte. Natürlich denkbar ungünstig für einen Spieler, der sich in der neuen Mannschaft und im Umfeld bewähren wollte.

Gerade genesen, stand für mich ein U 21 Nationalmannschaftsspiel in Moskau an. Noch nicht mal nach einer Ballberührung musste ich nach einem Foul meines Gegenspieler schon in der 3. Minute ausgewechselt werden. Die Diagnose der Ärzte war frustrierend für mich: Zehenbruch. Dies bedeutete weitere Wochen Pause.

Ende September dann die nächste Hiobsbotschaft. Ein freier Gelenkkörper im rechten Sprunggelenk wurde mir in Zürich bei Prof. Glinz per Arthroskopie entfernt. Kaum auf den Beinen durfte ich schon wieder die Reise nach Zürich antreten. Ein Meniskus-Einriss im rechten Knie wurde diesmal per Arthroskopie festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich am verzweifeln ob der Pechsträhne, die mich in Karlsruhe verfolgte. Dies sollte aber für die nächsten 10 Monate die letzte Verletzung sein.

Ich war gerade auf dem Sprung zum Stammspieler beim KSC als ich im Spiel gegen den 1.FC Köln bei einem Foul meines Gegenspielers einen lauten Knall im linken Knie hörte. Die Diagnose war wohl das schlimmste, was einem Fußballer passieren kann: vorderer Kreuzbandriss, Innenbandanriss, Außenmeniskusabriss. Im Knie war sozusagen fast alles kaputt, was kaputtgehen konnte.

Ich wurde nach 14 Tagen in Heidelberg, in der ATOS-Klinik von Prof. Dr. Pässler operiert. Viele werden jetzt fragen, wieso erst nach 2 Wochen? Ich hatte im Knie eine große Schwellung und die Ärzte hielten es für besser zu warten bis das Kniegelenk reizfrei war. Es folgten 10 Monate Schufterei im Reha-Zentrum von Steffen Wiemann. Es war eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Die Belastung für das Knie musste genau dosiert werden, doch die gute Zusammenarbeit von Dr. Pässler und Mannschaftsarzt Dr. Löhr mit meinem Therapeuten Steffen Wiemann und seinem Team zahlten sich schließlich aus.

Körperlich auf dem "neuestem Stand" und konditionell fit durch das Lauftraining mit den Sportlehrern konnte ich endlich mein Ziel einen Stammplatz beim KSC verwirklichen. Es folgte eine schöne, verletzungsfreie Zeit. Krönung für mich war sicher der Einzug mit dem KSC in den UEFA-CUP in der Saison 96/97.

Zwischenzeitlich wurden mir noch mal in Heidelberg am linken Sprunggelenk freie Gelenkkörper entfernt, doch dies setzte mich nicht allzu lange außer Gefecht.

Dann kam der Tag, an dem meine "Karriere" beinahe beendet wurde. Durch ein, eigentlich harmloses Foul im Training im Dezember 1997 schwoll plötzlich mein linkes Knie an. Übernacht kamen auch noch Schmerzen hinzu, die es mir unmöglich machten Fußball zu spielen. Nach der Arthroskopie von Dr. Pässler in Heidelberg kam der Moment, den ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde.

Er erklärte mir, dass sich durch den Schlag auf mein Knie Knorpel abgesprengt habe. Da ich nach meinem Kreuzbandriss auch keinen Außenmeniskus mehr im Knie hätte, der die Stelle eigentlich schützen solle, hätte ich keine Möglichkeit mehr dies zu kompensieren

 

Gerade der Arzt, der eine Kapazität auf dem Gebiet des Kniegelenkes ist rät mir mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich war für die nächsten Tage am Boden zerstört. Konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich mit 24 Jahren schon Invalide sein sollte. Ich tat das, was wohl jeder in meiner Lage gemacht hätte, ich hörte nicht auf die Ärzte sondern versuchte einfach durch Muskelaufbau das Knie so zu entlasten, dass ich schmerzfrei und ohne Probleme wieder spielen konnte.

Dies war natürlich nur ein Trugschluss. Bei meinem "Arbeitsversuch" im BL-Spiel gegen Wolfsburg musste ich nach 60 Minuten mit Schmerzen im Knie ausgewechselt werden. Das war zu dem Zeitpunkt für mich das Ende aller Hoffungen. Mein nächster Weg führte mich zu Dr. Müller Wohlfahrt nach München. Er erstellte in Übereinstimmung mit Dr. Pässler den Plan mir durch eine Meniskus-Transplantation zu helfen. Dr. Pässler stellte den Kontakt zu Prof. Verdonk in Belgien her, der diese Operation auch durchführen würde. Nach einer kurzen Untersuchung auf einem Ärztekongress in Nizza setzte mich Prof. Verdonk auf die Warteliste für eine Meniskustransplantation in der Uniklinik in Gent. Er war guter Dinge, daß die OP bei mir erfolgreich sein würde. Jedoch machte er mich, genauso wie Dr. Pässler, darauf aufmerksam, daß diese Operation an einem Profisportler noch nie durchgeführt wurde. Er könne mir daher auch nicht garantieren, daß der neue Meniskus den Belastungen meines Berufes standhalten würde.

Aus medizinischer Sicht, spreche jedoch nichts dagegen. Ich überlegte nicht lange, da es für mich keine Alternative zu dieser Operation gab. Alle 3 Wochen sollte ich eine bestimmte Menge Blutserum nach Gent senden. Dies war nötig, da sobald ein passender Meniskus gefunden war, dieser sofort in mein Blut eingelegt werden musste um festzustellen, ob er darin überleben würde. So wurde schon vor der eigentlichen Operation sichergestellt, daß mein Körper den "Fremdkörper" annehmen und nicht abstoßen würde.Nach 8 Wochen Warten war es dann soweit. Ich erhielt einen Anruf, dass ich mich am 3. Juli in Gent einfinden solle. Bei der Operation, die nur 45 Minuten dauerten waren auch Prof. Pässler und Steffen Wiemann anwesend. Mir wurde der linke Außenmeniskus eines 50 jährigen belgischen Mannes, der nach einem Autounfall starb, eingepflanzt. Prof. Pässler und S. Wiemann nahmen mich direkt nach der OP zurück mit nach Heidelberg. Es begann fast ein Jahr Reha-Arbeit.

Wieder konnte ich mich auf das Team vom Reha-Center verlassen. Anders als auf meinen alten Verein. Dieser erklärte mir, dass mein Vertrag in Karlsruhe nicht verlängert werden würde. Ich saß sozusagen auf der Straße. Ich muß wohl nicht erklären, dass ich auf den Verein und auf die Herren im Präsidium nicht gut zu sprechen bin, denn schließlich habe ich für den Verein alles gegeben, die Knochen hingehalten und mich immer fair verhalten. Kaum wurde ich nicht mehr gebraucht, wurde ich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. In Hamburg, bei meinem Kollegen Karsten Bäron wurde dies anders praktiziert..... doch nun zurück zur Meniskustransplantation.Nach etlichen Laufeinheiten mit meinem Freund und Sportlehrer Raphael Geissler holte ich mir die nötige Fitness und die Sicherheit, daß das Knie den Belastungen standhalten wird. Bei einer Kontroll-Arthroskopie in Heidelberg wurde im Januar 1999 festgestellt, dass die OP erfolgreich verlaufen war und es aus medizinischer Sicht keine Einwände gegen eine weitere Laufbahn als Profisportler gab. Nach einem zweiwöchigem Probetraining beim VfL Wolfsburg unterschrieb ich für die Saison 1999/2000 einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag für die 1. Bundesliga.

 

 
Kommentare (2)
das Knie...
2 Montag, den 01. März 2010 um 09:44 Uhr
Christian Wück
wollte und konnte einfach nicht mehr... die Belastung, jeden Tag auf dem Platz zu trainieren und zu spielen war einfach nicht mehr möglich..
Wenn...
1 Samstag, den 20. Februar 2010 um 20:25 Uhr
Plöner
...ich das richtig sehe, hast du bereits 2002 deine Karriere bei der Arminia ausklingen lassen? Das ist doch relativ früh. Was war denn Grund dafür?
Interessante, schmerzhafte Geschichte übrigens. ;)

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Titel:
Kommentar:


Design by i-cons.ch / etosha-namibia.ch